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Was wird aus den 40’000 Flutautos?

Nach verheerenden Hochwassern wie jüngst in Deutschland entwickelt sich ein Handel mit Autowracks. Aber wer kauft sowas – und ab welcher Wasserhöhe ist ein Auto schrottreif?

Hochwasser kostet Menschenleben, Existenzen und Häuser – und zerstört viele Autos. Besonders betroffen war Mitte Juli neben der Schweiz auch Deutschland. Dort wurden 40’000 Autos mitgerissen – so viele, dass die Behörden jetzt eine Datenbank der Wracks erstellt haben, damit Eigner sie finden und melden und Versicherer sie begutachten können. Autoschaden: geschätzt 200 Millionen Euro (215 Mio. Fr.).

Während aufgefundene Wracks auf Schrottplätzen fachgerecht entsorgt werden, drohen Umweltschäden durch jene Öl- und Benzinmengen, welche die Flut aus ihnen herausgespült hat und die zum Beispiel viele Ackerflächen verunreinigt haben.

Kein Geld beim Reinfahren

Wer eine Teil- oder Vollkaskoversicherung hat, bekommt nach dem Hochwasser den Wert ersetzt. Aber: Kommt das Wasser zum Auto, zahlt die Versicherung. Kommt das Auto zum Wasser, nicht! Wer mutwillig ins Wasser gefahren ist, geht leer aus. Achtung: Auch wer trotz Hochwasserwarnung im gefährdeten Gebiet parkiert hat, muss mit Leistungskürzung wegen Fahrlässigkeit rechnen.

Völlig leer geht aus, wer nur eine Haftpflichtversicherung hat. Mit etwas Glück kann man das Wrack aber noch verkaufen. Auf Online-Marktplätzen wie Ebay wird in Deutschland gerade sogar gezielt nach Flutautos gesucht. Wer so ein Flutauto verkauft, sollte auf einen Kaufvertrag bestehen, in dem ausdrücklich steht, dass der Käufer wie über einen Unfall- über den Flutschaden informiert worden ist.

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Handel mit den Wracks

Wer kauft solche Flutautos? Eine Ahnung gibt der Hurrikan Katrina, der 2005 eine Spur der Verwüstung und der Autowracks hinterliess. Aus den USA gingen davon Tausende nach Bolivien – zum Abwracken: globalisierte Autoverwertung. Vor allem aber dürfte manch in der Ersten Welt als wirtschaftlicher Totalschaden taxiertes, aber reparables Wrack in ärmeren Ländern auf der Strasse auftauchen. Laut Uno wurden alleine von 2015 und 2018 weltweit 14 Millionen gebrauchte Autos exportiert, mehr als zur Hälfte nach Afrika (u.a. Nigeria, Benin, Gambia).

Wann ist ein Flutauto ein Totalschaden? Blieb das Wasser noch unter den Türschwellern, sollte es in Ordnung sein. Allerdings sollte man es in der Garage checken lassen. Ist Wasser in den Fussraum eingedrungen, sollte man das Auto auf keinen Fall starten, sondern in die Garage abschleppen lassen – sonst kann Wasser teure Schäden etwa am Motor verursachen. Getauscht werden müssen nun alle sicherheitsrelevanten Teile, die im Wasser waren – etwa Gurtstraffer.

Schnell ein Totalschaden

Ab Wasserstand über Höhe der Sitzflächen ist das Auto oft, ab Wasser bis in Höhe des Armaturenbretts fast sicher ein wirtschaftlicher Totalschaden – denn nun wären quasi alle elektrischen und elektronischen Bauteile auszutauschen. Und nicht nur die: Neben Airbag oder Alternator vertragen Lenkgetriebe oder Bremsen zu langes Tauchen und vor allem den Schmutz im Hochwasser nicht.

Ein Beitrag von Jürgen Wolff veröffentlicht auf www.blick.ch am 17.08.2021